Freitag, 11. März 2011

张学典 Zhang Xuedian (18. Jhd.)

感亡姊旧居          Berührt vom alten Wohnsitz meiner verstorbenen Schwester

绣网蛛丝镜满尘, Besticktes Netz, Spinnenfäden, der Spiegel ist voller Staub
闲花狼籍不知春。 Die Wildblumen wachsen wirr durcheinander, wissen nichts vom Frühling
深愁怕见梁间燕, Tief bekümmert fürchte ich, die Schwalben zwischen den Balken zu sehen
犹是呢喃觅主人。 Noch immer suchen sie zwitschernd nach der Herrin des Hauses

Donnerstag, 10. März 2011

张学雅 Zhang Xueya (18. Jhd.)

闺中闲咏              Im Frauengemach beschaulich gesungen

竹院萧萧人语空, Der Bambus im Hof raschelt, Stimmen sind nicht zu hören
夜来风雨太怱怱。 Überstürzt brachen in der Nacht Regen und Wind herein
侵晨独倚阑干角, Bei Tagesanbruch lehne ich allein in einer Ecke des Geländers
闲数池莲几朵红。 Und zähle bedächtig, wieviele Lotosblumen auf dem Teich aufgeblüht sind

Mittwoch, 9. März 2011

侯承恩 Hou Cheng’en (ca. 1722)

秋夜               Herbstnacht

露白银河淡,  Unter dem milden Licht der Milchstraße glänzt weiß der Tau
庭虚皓月融。  Friedlich liegt der leere Hof im hellen Mond
寒蛩吟破壁,  Eine Winterheuschrecke zirpt an der kaputten Mauer
哀雁叫长空。  Und eine trauernde Wildgans schreit im weiten Himmel
凤阁箫还咽,  Im Phönix Pavillon schluchzt noch eine Flöte
湘灵曲未终。  Das Lied von der Göttin im Xiang Fluss ist nicht ausgesungen
缘知肠断处,  Weil die Flöte weiß, wo mein Herz gebrochen ist
不待五更风。  Wartet sie nicht, bis die fünfte Nachtwache den Morgen ankündigt

Dienstag, 8. März 2011

侯承恩 Hou Cheng’en (ca. 1722)


春闺                     Frühling im Frauengemach


迩来多病起常迟, Seit kurzem bin ich häufig krank und stehe oft spät auf
懒对青菱理鬓丝。 Träge schaue ich die Wasserlinsen an, ordne meine seidenen Knoten
檐铁乍惊幽梦觉, Das Windspiel am Dachvorsprung schreckte mich jäh aus einem Sorgentraum auf
心情惟恐落花知。 In meinem Herzen fürchte ich nur, die gefallenen Blüten könnten es wissen
江天雁断书千里, Im Himmel über dem Fluss trägt eine Wildgans den Brief eintausend Li ans Ende der Welt
庭树春深绿满枝。 Der Baum im Hof steht mitten im Frühling voller grüner Zweige
风景恼人禁不得, Die Schönheit der Landschaft ärgert mich, ich halte es kaum aus
倚栏聊复试题诗。 Lehne mich flüchtig ans Geländer und versuche erneut, ein Gedichtthema zu finden

Montag, 7. März 2011

吴巽 Wu Xun (1693-1735)

绿牡丹和韵          Nach den Reimen von Grüne Päonie
   
平台冉冉黛初匀, Auf der Terrasse schminke ich mir erst gemächlich die Augenbrauen
不逐邻园斗丽春。 Ich strebe keinen Wettstreit mit der Schönheit des Frühlings im Nachbargarten an
金谷荒凉成往事, Der verwahrloste Garten von Shi Chong ist Vergangenheit
风前犹想坠楼人。 Doch auch im nächsten Leben werde ich noch an Lü Zhu denken, die vom Turm gesprungen ist