Dienstag, 5. April 2011

归懋仪 Gui Maoyi (spätes 18. Jhd.)

归懋仪


清平乐(十六夜听雨,次圭斋妹春月之韵)Qing Ping Yue: In der Nacht vom Sechzehnten höre ich dem Regen zu und schreibe nach den Reimen des Gedichts "Frühlingsmond" meiner jüngeren Schwester Guizhai


夕阳西下。           Die sinkende Sonne verschwindet im Westen
月向檐前挂。        Der Mond hängt sich vor dem Dachbalken auf
香霭空濛花梦惹。 Duftende Nebelschwaden am Himmel bringen die Blumen zum Träumen
此景宜诗宜画。    Diese Szene ist wie geschaffen für Gedichte und Bilder

清寒一缕穿寮。    Ein Hauch von klarer Kälte durchdringt das Haus
夜深沉水添烧。    In tiefer Nacht lege ich Adlerholz aufs Feuer
桦烛清尊昨夜,    Strahlende Kerzen und Weinkrüge letzte Nacht
昏灯冷雨今宵。    Heute Nacht eine trübe Lampe und kalter Regen

附原作                 Beigefügt

水晶帘下。           Ich lasse den kristallenen Vorhang herab
新月娟娟挂。        Der Neumond ist anmutig aufgehängt
料峭柳条风喑惹。 Frühlingskälte in den Weidenzweigen bringt den Wind zum Schweigen
花影一庭如画。    Ein Hof voller Blumenschatten ist wie gemalt

微风寒透窗寮。    Eine leichte Brise von Kälte durchdringt die Fenster des Hauses
画屏银烛高烧。    Vor dem bemalten Wandschirm brennt die Silberkerze hoch
寄语海棠休睡,    Im Brief steht, die Zierapfelbäume schlafen nicht mehr
莫教负此良宵。    Keiner muss sie belehren, sich an dieser schönen Nacht zu erfreuen

Montag, 4. April 2011

归懋仪 Gui Maoyi (spätes 18. Jhd.)

归懋仪

一斛珠·送春         Yi Hu Zhu: Den Frühling verabschieden

莺声渐老。            Der Gesang der Pirole wird langsam alt
恹恹薄醉添烦恼。 Schwach wie ich bin verstärkt ein leichter Schwips meinen Kummer
天涯绿遍王孙草。 Für den Jüngling ist das Gras grün bis zum Ende der Welt
蝶倦蜂慵,            Die Schmetterlinge sind müde und die Bienen erschöpft
宛转春归早。        Der lieblich klingende Frühling war schon früh vorbei

满院浓阴人悄悄。  Im ganzen Hof liegt dichter Schatten, die Menschen sind still
落红几点风前袅。  Ein paar gefallene Blüten wirbeln vor dem Wind
半窗疏雨黄粱觉。  Mitten im Fenster Nieselregen, ich bin aus einem Wunschtraum erwacht
儿女英雄,            Ob Liebende oder Helden
一样伤怀抱。         Ihr Herz wird ebenso brechen

Sonntag, 3. April 2011

屈秉筠 Qu Bingyun (spätes 18. Jhd.)

屈秉筠


虞美人 影             Yu Mei Ren: Schatten

一番花信千回梦。 Eine Nachricht der Blüten bringt tausend Träume zurück
没个些儿闲空。     Ich habe kein bisschen freie Zeit
早起帘钩未控。     Stehe früh auf, bevor der Vorhang aufgehakt wird
已有禽声弄。        Schon machen die Vögel mit ihren Stimmen herum
开奁只觉眉山重。 Ich öffne mein Schminkkästchen und finde nur, meine Brauen seien zu schwer
扫杀宣毫无用。     Bekunde, dass auch alles Wegbürsten nichts hilft
几片花飞不动。     Ein paar Blütenflocken wollen nicht fliegen
爱残春断送。        Sie lieben die letzten Tage des Frühlings, der bald stirbt

Samstag, 2. April 2011

屈秉筠 Qu Bingyun (spätes 18. Jhd.)

屈秉筠

重叠金·梨花双燕便面 Chong Die Jin: Fächer mit Birnenblüten und einem Schwalbenpaar

东风吹得梨云老。 Der Ostwind weht und lässt die wolkenweißen Birnenblüten altern
苔茵几尺埋香草。 Ein Teppich aus Moos begräbt das Duftgras ein paar Fuß weit
胡蝶梦无踪。        Der Schmetterlingstraum hinterlässt keine Spur
残妆不肯浓。        Verblassende Schminke kann nicht mehr glänzen

看他双燕子。        Schau dir das Schwalbenpaar an
怜惜还如此。        Auf diese Weise zeigt es noch Mitleid
衔得一星星。        Im Schnabel hält es Sprenkel um Sprenkel
无非是好春。        Von nichts als feinem Frühling

Freitag, 1. April 2011

屈秉筠 Qu Bingyun (spätes 18. Jhd.)

屈秉筠

菩萨蛮·纳凉美人图  Pusa Man: Bild von einer schönen Frau, die kühle Luft genießend

凉云悄度花阴碧。 Kühle Wolken ziehen ruhig vorüber, der Schatten der Blumen ist grün
月钩勾起相思夕。 Der Mond angelt mit seinem Haken einen Sehnsuchtsabend hervor
捲上水明帘。        Sie rollt den kristallklaren Vorhang hoch
惊回蝶梦纤。        Und schreckt aus einem zarten Schmetterlingstraum auf
玉阶闲立定。        Auf der Jadetreppe steht sie untätig still
未觉弓鞋冷。        Spürt noch keine Kälte in ihren winzigen Lotos-Schühchen
生怕好风来。        Sie fürchtet nur, ein feiner Wind könnte kommen
罗衣被揭开。        Und unter ihr Seidenkleid fahren