Montag, 31. Januar 2011

徐灿 Xu Can (ca. 1618-1698)

徐灿


踏莎行•初春         Ta Suo Xing: Frühlingsanfang

芳草才芽,            Das Duftgras hat eben Knospen getrieben
梨花未雨。            Die Birnenblüten wurden noch nicht verregnet
春魂已作天涯絮。  Die Frühlingsseele ist schon ein Weidenkätzchen am Ende der Welt
晶帘宛转为谁垂,  Für wen hängt der Kristallvorhang so dezent
金衣飞上樱桃树。  Goldene Federn fliegen auf den Kirschbaum hinauf

故国茫茫,            Die alte Dynastie ist untergegangen
扁舟何许。            Wo wohl das kleine Boot jetzt ist
夕阳一片江流去。  Ein paar Strahlen der sinkenden Sonne fließen weg mit dem Strom
碧云犹叠旧河山,  Blaugrüne Wolken türmen sich noch über alten Flüssen und Bergen
月痕休到深深处。  Möge der Mond mit seiner Lichtspur nicht länger ihre Verborgenheit beleuchten

Sonntag, 30. Januar 2011

徐灿 Xu Can (ca. 1618-1698)

徐灿

忆秦娥•春归         Yi Qin E: Der Frühling geht

东风老。               Der Ostwind schläft ein
起来点检残红少。 Ich stehe auf und prüfe die wenigen restlichen Blüten
残红少。               Die wenigen restlichen Blüten
一帘疏雨,            Ein Vorhang aus feinem Regen
半庭烟草。            Bedeckt die Hälfte des Hofs und die nebligen Gräser

燕莺故故将人恼。 Die Pirole und Schwalben ärgern mich mit Absicht
千声万语春归了。 Tausendfaches Zwitschern und Singen Der Frühling ist vorbei
春归了。               Der Frühling ist vorbei
双蛾谁遣,            Wer hat meine beiden Brauen geglättet
镜痕愁小。            Ihre Spuren im Spiegel zeigen kaum Sorgen

Samstag, 29. Januar 2011

徐灿 Xu Can (ca. 1618-1698)

徐灿


忆秦娥•春感次素庵韵 Yi Qin E: Frühlingsgefühle, nach den Reimen von Su‘an


春时节。                Es ist Frühlingszeit
昨朝似雨今朝雪。  Gestern morgen schien es zu regnen, heute morgen fällt Schnee
今朝雪。                Heute morgen fällt Schnee
半春残暖,             Ein halber Frühling mit letzter Wärme
竞成抛撇。             Ist im Wettkampf ausgeschieden

销魂不待君先说。  Mein verzehrendes Herz braucht keine Worte von dir
凄凄痛还如咽。      Der elende Schmerz schnürt mir noch die Kehle zu
还如咽。                Schnürt mir die Kehle zu
旧恩新宠,             Alte Liebe und neue Gunst
晓云流月。             Morgenwolken und fließender Mond

Freitag, 28. Januar 2011

徐灿 Xu Can (ca. 1618-1698)

徐灿


木兰花•秋夜         Mu Lan Hua: Herbstnacht


夜寒不耐西风劲, Die Nacht ist kalt, der strenge Ostwind ist nicht auszuhalten
多情却是无情病。 Empfindsamkeit jedoch ist eine unbarmherzige Krankheit
月痕依约到南楼, Die Spur des Mondes scheint zum südlichen Haus zu führen
楼头鼓角三更尽。 Im obersten Stock schweigen die Trommeln und Hörner um Mitternacht

蝉残韵咽魂难定, Die letzten Zikaden schluchzen, meine Seele ist ruhelos
百般烦恼千般恨。 Hundertfacher Verdruss und tausendfache Reue
起来点检露华深, Ich stehe auf und prüfe wie dick die Tautropfen sind
秋蛩四壁声相竞。 An allen vier Wänden zirpen wetteifernd Herbst-Heuschrecken

Donnerstag, 27. Januar 2011

徐灿 Xu Can (ca. 1618-1698)

徐灿

菩萨蛮•春闺         Pusa Man: Frühling im Frauengemach

困花压蕊丝丝雨, Erschöpfte Blumen, zerdrückte Knospen, tröpfelnder Regen
不堪只共愁人语。 Ich ertrage es nicht, dass ihre gemeinsame Sprache nur traurig ist
斗帐抱春寒,        Der Bettvorhang umfängt die Frühlingskälte
梦中何处山。        Wo sind wohl die Berge aus meinem Traum

卷帘风意恶,        Ich rolle den Vorhang hoch, der Wind weht mit bösem Willen
泪与残红落。        Meine Tränen fallen zusammen mit welken Blüten
羡煞是杨花,        Die Weidenkätzchen beneide ich sehr
输它先到家。        Sie werden als Erste nach Hause geweht